Konflikte in der Familie lösen » Termine » Vom Onlinedating zur Online-Scheidung

Vom Onlinedating zur Online-Scheidung

Onlinedating und Onlinescheidung – ist nun auch Onlinemediation dran?

Mit neuen Kommunikationswegen ändern sich auch die sozialen Gewohnheiten einer Gesellschaft. Im Hinblick auf die Partnerauswahl, die Partnerschaft an sich und der Trennung derselben. So sind Onlinedating, die innere und körperliche Zuwendung zu Avataren sowie Onlinetrennungen ein naheliegender Dreisatz.

Wir können uns Partnermerkmale wünschen und unseren potentiellen Partner, wie ein Auto, online konfigurieren. Kein Witz, so funktionieren Datingportale. Mit hoher Erfolgsquote. Jedes dritte Paar lernt sich online kennen, 38 % halten das Internet für den besten „Ort“ des Kennenlernens. Das größte Risiko dabei ist nicht der Verlust der Romantik, des magischen Moments, sondern vielmehr die Beschleunigung von Nähe und Beziehungsintensität. Eine Studie (1.600 Ehepaare, 800 Onlinepaare und 800 zufällige face to face Paare) beweist zudem, dass Online-Paare schnell nach der ersten Kontaktaufnahme heiraten und oft auch schnell eine Familien gründen.

Sind diese Ehen besonders kurzlebig? Ist die Scheidungs- bzw. Trennungsrate erhöht?

Die erwähne Umfrage lässt diesen Schluss nicht zu. Die Paare bezeichnen Ihre Ehe als glücklich. Weitere Studien zeigen, dass Online-Paare, dem gleichen Risiko für eine Trennung ausgesetzt sind, wie Offline-Paare.

Es gibt allerdings auch neue Beziehungsprobleme: mangelnde „echte“ Kommunikation, dafür permanenter On-Modus des Smartphones führen häufig zu Beziehungsproblemen, zudem Cybersex, Cyberuntreue, u.v.m. Diese Probleme sind eher neu. Die entstehenden Gefühle uralt: Abwertung, Einsamkeit, Auseinanderleben, fehlende Nähe und Fürsorge, wenig innere Verbundenheit.

Onlinescheidung

Nicht zuletzt spielt die digitale Welt auch bei der Trennung eine Rolle. Bei der Onlinescheidung wird die Korrespondenz über nur einen Anwalt abgewickelt. Der persönliche Gang zum Anwalt ist nicht mehr erforderlich. Alle Daten können digital an den Anwalt und ans Familiengericht übermittelt werden.

Nur der Scheidungsantrag wird von einem zugelassenen Anwalt bei Gericht eingereicht, lediglich zum Scheidungstermin muss das Ex-Paar erscheinen. Jedoch kann das gesamte Verfahren sehr beschleunigt und kostengünstig abgewickelt werden. Ist alles geregelt, erfolgt die eigentliche Scheidung in rund 15 Minuten.

Die Voraussetzung sind allerdings oft komplexer: die Einigkeit des Ex-Paares über die Belange und Folgen der Scheidung ist häufig der kritische Pfad und nur durch lange Verhandlungen und Gespräche zu erreichen. Ist auch dieser Weg abkürzbar?

Onlinemediation?

Stringent wäre nun eine Onlinemediation. Die Klärung aller unklaren Folgen, Wünsche und strittigen Punkte im Rahmen einer Scheidung. Ist das möglich?

Meine persönliche Meinung?

Ich halte Onlinemediation für möglich. Ich bezweifle allerdings, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, den eigenen Wünschen und Bedürfnissen so gut gelingen kann, wie in den zugegeben oft anstrengenden Gesprächen. Meines Erachtens ist diese anstrengende mediative Gespräch mit dem Expartner ein Geschenk an sich selbst, ein Reinigungsprozess, ein wichtiges Ritual.

Bei allem Zeitbedarf und allen Kosten. Wir kommen als Mensch nur weiter, wenn wir die Richtung erkennen und klar sehen können, was in der Vergangenheit passiert ist. Mediation kann das leisten.

Quellen: Deutsches Ärzteblatt //PP//Heft 8/AUGUST 2017, S.399

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.