Konflikte in der Familie lösen » Stories

Das anspruchsvolle Wechselmodell

Das Wechselmodell ist ein sehr anspruchsvolles Modell für Kinder und Eltern, weshalb es von allen Beteiligten motiviert mitgetragen werden muss. Einen übersichtlichen Beitrag vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter über die Vorraussetzungen und Bedenken finden Sie hier.
Meiner Erfahrung nach, ist dieses Modell nur dann zu empfehlen, wenn zwischen den Eltern eine gute Kommunikation möglich ist und insbesondere vom Kind gewünscht ist.

Selbstreflexion oder “Alles, was sich sagen lässt, lässt sich klar sagen.” Wittgenstein

Klare Worte zu finden, für den eigenen inneren Zustand, ist zu Beginn einer Mediation oft nicht möglich. Es lässt sich zunächst eben nicht klar sagen, was eigentlich zu sagen wäre.

Woran liegt das? Vielleicht liegt es daran, dass wir im existentiell bedrohlichen Konfliktfall von unserem intuitiven Wissen und unseren positiven, konstruktiven Gefühlen abschnitten sind. Wie bei einem Schock. Das Gehirn schwirrt, arbeitet im Notprogramm, will uns schützen, will das Überleben sichern. Wir suchen in uns nach Begründungen und  nach den richtigen Worten, die sagen, was in uns los ist. Die Mediation ist daher, meines Erachtens, auch eine der besten Möglichkeiten der Selbstreflektion. Wir lernen in der Auseinandersetzung und im Gespräch mit dem Anderen viel über uns selbst.

Selbstreflexion und Neubeginn
Neue Wege gehn, wissen wohin

Wenn am Ende einer Mediation meine Klienten wissen, wo es für sie lang geht, was sie für einer sind oder sein wollen, mit welcher Haltung sie Im Leben stehen, was sie vom Leben und von ihren Beziehungen wünschen, statt nur (wie oft zu Beginn der Gespräche) was sie nicht wollen, dann weiss ich, warum mir diese Arbeit so wichtig ist.

Wenn Worte sich wieder einfach und klar sagen lassen, dann ist die Mediation beendet und etwas Neues beginnt.

 

Vom Onlinedating zur Online-Scheidung

Onlinedating und Onlinescheidung – ist nun auch Onlinemediation dran?

Mit neuen Kommunikationswegen ändern sich auch die sozialen Gewohnheiten einer Gesellschaft. Im Hinblick auf die Partnerauswahl, die Partnerschaft an sich und der Trennung derselben. So sind Onlinedating, die innere und körperliche Zuwendung zu Avataren sowie Onlinetrennungen ein naheliegender Dreisatz.

Wir können uns Partnermerkmale wünschen und unseren potentiellen Partner, wie ein Auto, online konfigurieren. Kein Witz, so funktionieren Datingportale. Mit hoher Erfolgsquote. Jedes dritte Paar lernt sich online kennen, 38 % halten das Internet für den besten „Ort“ des Kennenlernens. Das größte Risiko dabei ist nicht der Verlust der Romantik, des magischen Moments, sondern vielmehr die Beschleunigung von Nähe und Beziehungsintensität. Eine Studie (1.600 Ehepaare, 800 Onlinepaare und 800 zufällige face to face Paare) beweist zudem, dass Online-Paare schnell nach der ersten Kontaktaufnahme heiraten und oft auch schnell eine Familien gründen.

Sind diese Ehen besonders kurzlebig? Ist die Scheidungs- bzw. Trennungsrate erhöht?

Die erwähne Umfrage lässt diesen Schluss nicht zu. Die Paare bezeichnen Ihre Ehe als glücklich. Weitere Studien zeigen, dass Online-Paare, dem gleichen Risiko für eine Trennung ausgesetzt sind, wie Offline-Paare.

Es gibt allerdings auch neue Beziehungsprobleme: mangelnde „echte“ Kommunikation, dafür permanenter On-Modus des Smartphones führen häufig zu Beziehungsproblemen, zudem Cybersex, Cyberuntreue, u.v.m. Diese Probleme sind eher neu. Die entstehenden Gefühle uralt: Abwertung, Einsamkeit, Auseinanderleben, fehlende Nähe und Fürsorge, wenig innere Verbundenheit.

Onlinescheidung

Nicht zuletzt spielt die digitale Welt auch bei der Trennung eine Rolle. Bei der Onlinescheidung wird die Korrespondenz über nur einen Anwalt abgewickelt. Der persönliche Gang zum Anwalt ist nicht mehr erforderlich. Alle Daten können digital an den Anwalt und ans Familiengericht übermittelt werden.

Nur der Scheidungsantrag wird von einem zugelassenen Anwalt bei Gericht eingereicht, lediglich zum Scheidungstermin muss das Ex-Paar erscheinen. Jedoch kann das gesamte Verfahren sehr beschleunigt und kostengünstig abgewickelt werden. Ist alles geregelt, erfolgt die eigentliche Scheidung in rund 15 Minuten.

Die Voraussetzung sind allerdings oft komplexer: die Einigkeit des Ex-Paares über die Belange und Folgen der Scheidung ist häufig der kritische Pfad und nur durch lange Verhandlungen und Gespräche zu erreichen. Ist auch dieser Weg abkürzbar?

Onlinemediation?

Stringent wäre nun eine Onlinemediation. Die Klärung aller unklaren Folgen, Wünsche und strittigen Punkte im Rahmen einer Scheidung. Ist das möglich?

Meine persönliche Meinung?

Ich halte Onlinemediation für möglich. Ich bezweifle allerdings, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, den eigenen Wünschen und Bedürfnissen so gut gelingen kann, wie in den zugegeben oft anstrengenden Gesprächen. Meines Erachtens ist diese anstrengende mediative Gespräch mit dem Expartner ein Geschenk an sich selbst, ein Reinigungsprozess, ein wichtiges Ritual.

Bei allem Zeitbedarf und allen Kosten. Wir kommen als Mensch nur weiter, wenn wir die Richtung erkennen und klar sehen können, was in der Vergangenheit passiert ist. Mediation kann das leisten.

Quellen: Deutsches Ärzteblatt //PP//Heft 8/AUGUST 2017, S.399